Die französischsprachigen Kantone der Schweiz (Romandie) bieten 2025 ein faszinierendes Mikrokosmos der Fahrzeugbesteuerungsvielfalt. Während die radikale Reform Genfs die Schlagzeilen dominiert, zeigen die anderen Romandie-Kantone - Waadt, Neuenburg und Freiburg - unterschiedliche Ansätze zur Balance von Umweltpolitik, fiskalischer Stabilität und politischer Machbarkeit.
Kanton Waadt (VD): Stabilität und Umweltabstimmung
Waadt unterhält eines der stabilsten Fahrzeugsteuersysteme der Schweiz, gekennzeichnet durch seine zusammengesetzte Berechnungsmethode, die Gewichts- und Leistungsmetriken kombiniert.
Steuerbasis
Die Jahressteuer wird nach der Formel Gesamtgewicht (CHF 0,15–0,30 pro kg) plus Leistung (CHF 1,60–4,00 pro kW) berechnet, was eine progressive Skala schafft, die mit Fahrzeuggröße und Leistung zunimmt.
Anpassungen 2025
Während die Grundsätze unverändert bleiben, hat Waadt seinen Umweltmalus verschärft. Der Zuschlag für Hochemissionsfahrzeuge (>200 g/km CO2) ist von 25% auf 40% gestiegen, wodurch die Strafe für Umweltverschmutzer intensiviert wird, während die Gesamtsystemstabilität erhalten bleibt.
Elektrofahrzeug-Politik
Waadt bietet einen pragmatischen Ansatz zur EV-Besteuerung: Standardberechnung mit 90% Reduzierung. Dies führt zu nominellen Jahresgebühren (oft ~100 CHF) für Elektrofahrzeuge, wodurch ein starker Anreiz erhalten bleibt, ohne Elektrofahrzeuge vollständig aus der Steuerbasis zu entfernen. Dieser ausgewogene Ansatz vermeidet die Einnahmenvolatilität, die in Kantonen mit vollständigen Befreiungen erlebt wird.
Kanton Neuenburg (NE): Der CO2-Purist
Neuenburg zeichnet sich durch sein ideologisches Bekenntnis zur Umweltbesteuerung aus, das seine gesamte Steuerbasis allein aus CO2-Emissionen ableitet.
Steuerbasis
Die Formel ist elegant einfach: Fester Bestandteil (250 CHF) + Variabler CO2-Bestandteil. Diese Reinheit des Ansatzes eliminiert die Komplexität von Gewichts- oder Leistungsberechnungen und konzentriert sich allein auf die Umweltbelastung.
Anpassungen 2025
Der Kanton hat seinen "Korrekturfaktor" von 276 CHF auf 266 CHF für 2025 nach unten korrigiert. Diese technische Anpassung führt zu einer marginalen Abnahme (~5 CHF) der Jahressteuerlast für die meisten Fahrzeugbesitzer, was ein Bekenntnis zur Aufrechterhaltung der Einnahmenstabilität zeigt, da die Flotte sauberer wird.
Elektrofahrzeug-Politik
Null-Emissions-Fahrzeuge zahlen nur die feste Mindeststeuer von ungefähr 250 CHF. Dieser Ansatz spiegelt Neuenburgs philosophische Haltung wider, dass Umweltbesteuerung emissionsfreie Mobilität belohnen sollte, ohne zusätzliche Komplexität.
Kanton Freiburg (FR): Herausforderungen föderaler Ausrichtung
Die Erfahrung Freiburgs 2025 veranschaulicht die Herausforderungen der Ausrichtung kantonaler Besteuerung an föderalen Energieeffizienzrahmen.
Steuerbasis
Der Kanton berechnet Steuern basierend auf der Motorleistung (kW), ein traditioneller Ansatz, der ihm historisch gut gedient hat.
Föderale Auswirkungen 2025
Eine föderale Aktualisierung der Energieeffizienzbewertungen schuf unerwartete Volatilität. Mehrere EV-Modelle wurden von der föderalen Energieetikette 'A' auf 'B' herabgestuft, was automatische Steuererhöhungen für ungefähr 4.500 EV-Besitzer auslöste. Rechnungen stiegen von ~500 CHF auf ~900 CHF, was zeigt, wie föderale politische Änderungen in kantonale Steuersysteme übergehen können.
EV-Anreize
Freiburg bietet einen 30% Rabatt für Elektrofahrzeuge und einen zusätzlichen 30% für Fahrzeuge mit Energieetikette 'A'. Die föderale Umklassifizierung zeigte jedoch die Fragilität der Verknüpfung kantonaler Steuern mit föderalen Energiekennwerten, was die EV-Einführung trotz der guten Absichten des Kantons potenziell entmutigen könnte.
Vergleichende Analyse der Romandie
| Kanton | Steuerbasis | EV-Behandlung | Änderungen 2025 |
|---|---|---|---|
| Waadt | Gewicht + Leistung | 90% Reduzierung | Erhöhter CO2-Malus |
| Neuenburg | CO2-Emissionen | Feste Mindeststeuer | Korrekturfaktor-Anpassung |
| Freiburg | Motorleistung | 30% Rabatt + Etikettenbonus | Föderaler Etiketten-Einfluss |
Strategische Auswirkungen für Romandie-Bewohner
Die Vielfalt innerhalb der Romandie schafft interessante Mobilitätsoptionen:
- Waadt bietet Stabilität und ausgewogene EV-Anreize, ideal für diejenigen, die Vorhersehbarkeit suchen
- Neuenburg spricht umweltbewusste Fahrer an, die Einfachheit und Reinheit des Ansatzes schätzen
- Freiburg bietet traditionelle leistungsbasierte Besteuerung, aber mit Volatilität aus föderalen Verbindungen
Die Romandie-Region zeigt, wie die föderalistische Struktur der Schweiz Experimente in der Steuerpolitik ermöglicht, wobei jeder Kanton Umweltziele an lokale politische und wirtschaftliche Kontexte anpasst.